Kommunale Wärmeplanung in Riedstadt
Die Stadtverordnetenversammlung der Büchnerstadt Riedstadt nahm in Ihrer Sitzung 11.09.2025 die Eignungsprüfung zur kommunalen Wärmeplanung an.
Ein Werkstattgespräch am 03.02.2026 um 18:00 Uhr im Rathaus Goddelau informiert über die Ergebnisse.
Der vollständige Bericht kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. Der folgende Abschnitt fasst Ergebnisse und Empfehlungen zusammen.
Vorgesehener Zeitplan
Mai 2025
Beschluss zur Durchführung der Eignungsprüfung.
Dezember 2025
Annahme der der Eignungsprüfung und Beschluss zur Durchführung der kommunalen Ausgangs- und Potenzialanalyse.
03. Februar 2026
Werkstattgespräch zu den Ergebnissen der Eignungsprüfung (18:00 Uhr, Rathaus Goddelau)
28. Mai 2026
Werkstattgespräch zum aktuellen Stand der Kommunalen Wärmeplanung (Rathaus Goddelau)
Mitte 2026
Abschluss der Bestandsanalyse- und Potentialanalyse.
Ende 2026
Vorstellung des Entwurfes der kommunalen Wärmeplanung.
Mitte 2027
Beschluss der kommunalen Wärmeplanung durch die Stadtverordnetenversammlung
Quelle Grafik oben: Wärmeatlas Hessen
Eignungsprüfung -
Kurzfassung und Empfehlungen
Kommunale Wärmeplanung
In der kommunalen Wärmeplanung werden Strategien zur klimaneutralen Wärmeversorgung entwickelt. Die Büchnerstadt Riedstadt ist durch Bundesgesetz verpflichtet, bis Mitte 2028 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen.
Um Gebiete mit einer hohen Eignung für Wasserstoff- und Wärmenetze konzentriert bearbeiten zu können, erfolgt zunächst die Eignungsprüfung. Hier werden Gebiete, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für den wirtschaftlichen Betrieb von Wärme- oder Wasserstoffnetzen geeignet sind, für eine verkürzte Wärmeplanung ausgewiesen. In diesen Gebieten werden Wasserstoff- und Wärmenetz nicht weiter untersucht.
Die energetische Sanierung des Gebäudebestandes ist zentral, um das Ziel der klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045 zu erreichen.
Teilgebiete mit hoher Wärmebezugsdichte können über Wärmenetze versorgt werden. Als dezentrale Versorgung in Gebieten geringer Wärmebezugsdichte kommen überwiegend dezentrale Wärmepumpen zum Einsatz.
Dem Stromnetz kommt damit künftig für den Wärmesektor, und auch für den Verkehrsbereich eine zentrale Rolle zu. Stromerzeugung vor Ort sowie netzdienlicher Betrieb von Verbrauchern und Speichern sowie „Energy-Sharing“-Modelle können Stromkosten senken und das Netz stabilisieren.
Ein guter Wärmeschutz, wie hier bei der Dachbodendämmung, ist wirtschaftlich sinnvoll und entscheidend, um die Klimaziele zu erreichen. Oft kann der Wärmeschutz auch mit Eigenleistung verbessert werden.
Foto: Haas

Wasserstoff
Das künftige Wasserstoff-Kernnetz führt durch Riedstadt . Dennoch ist nicht zu erwarten, dass Wasserstoff zur Gebäudeheizung zur Verfügung stehen wird. Auch der regionale Erdgas-Verteilnetzbetreiber geht von einer strombasierten Wärmeversorgung aus. Implizit bedeutet dies eine Stilllegung der Gasverteilnetze in Wohngebieten, jedoch auch Chancen für Industrie und Stromerzeugung. Daraus folgt für Riedstadt:
- Wasserstoff zur direkten Gebäudeheizung wird im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung daher nicht weiter verfolgt.
- Die Stilllegung des Netzes wird frühzeitig und proaktiv mit dem Gasnetzbetreiber abgestimmt und zu kommuniziert, um der Stadtgesellschaft Planungssicherheit zu geben.
- Die Erzeugung und Speicherung von Wasserstoff auf dem Stadtgebiet im Sinne zellularer Stromnetze sowie zur industriellen Anwendung soll geprüft und Gewerbe mit Wasserstoffbedarf angesiedelt werden.

Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb von Wärmenetzen ist eine hohe Wärmebezugsdichte nach sinnvollen Sanierungen der Gebäude. Hohe Wärmedichten sind aufgrund der dörflich geprägten Strukturen der Büchnerstadt kam gegeben.
Grafik: Riedstadt / PHI
Wärmenetze
Wärmenetze können sinnvoll eingesetzt werden, wenn zwei Bedingungen zutreffen: Eine hohe Wärmebezugsdichte und eine nachhaltige Wärmequelle.
Ein guter Anhaltspunkt für eine Wärmebezugsdichte, ab der sich ein Wärmenetz lohnen kann sind 400 MWh pro Hektar im Jahr. Solche Wärmebezugsdichten können in kompakten Ortskernen, in Mehrfamilienhaus- oder dichten Reihenhausgebieten gegeben sein. Entscheidend sind künftige, durch energetische Gebäudesanierungen niedrigere, Wärmebezugsdichten. Öffentliche Gebäude oder andere Einrichtungen mit hohem Wärmebedarf sind als Ausgangspunkt der Netze wichtig. Sie werden als Ankerpunkte bezeichnet.
Beispiele für nachhaltig nutzbare Wärmequellen sind unvermeidbare Abwärme aus Industriebetrieben oder der Stromerzeugung. In seltenen Fällen ist Geothermie mit ausreichend hoher Temperatur zu konkurrenzfähigen Preisen verfügbar.
Wärme aus dem Ablauf einer Kläranlage, aus Oberflächenwasser oder Geothermie kann mit Wärmepumpen nutzbar gemacht werden. Die Temperatur des Netzes orientiert sich stets am schlechtesten Gebäude. So sind die Temperaturen häufig hoch, die Wirkungsgrade von Wärmepumpen gering. Eine dezentrale Wärmepumpe ist dann häufig die bessere Lösung.
„Kalte Netze“ arbeiten mit geringeren Temperaturen, beispielsweise 10 und 40°C. Dezentrale Wärmepumpen sorgen für eine an das jeweilige Gebäude angepasste Temperatur. Das ist eine technisch effiziente Lösung. Es werden jedoch sowohl ein Wärmenetz, als auch dezentrale Wärmepumpen benötigt, entsprechend hoch sind die Investitions- und ggf. auch die Betriebskosten.

Unvermeidbare Abwärme, Geothermie, Fluss- oder Grundwasserwärme gelten als nachhaltige Wärmequellen für Wärmenetze. Oft ist es notwendig, die Wärme mit Großwärmepumpen, wie hier die Flusswärmepumpe in Mannheim, nutzbar zu machen.
Foto: Krick
Dezentrale Versorgung
Für alle Gebiete, mit niedriger Wärmedichte ohne mittels Netzen erschließbarer Wärme aus erneuerbaren Quellen oder unvermeidbarer Abwärme, ist die dezentrale Wärmeversorgung sinnvoll.
Hierzu werden meist Wärmepumpen genutzt. Als Wärmequelle erscheint die Außenluft die wirtschaftlichste Option, in Neubaugebieten oder im Zuge von Kanalsanierungen ggf. auch die Nutzung von Wärme aus dem Abwasser.
Zur dezentralen Wärmeversorgung können auch Mikrowärmenetze gerechnet werden, die mehrere Gebäude gemeinschaftlich versorgen. Hier kommen als Wärmequelle auch Erdwärmepumpen oder Blockheizkraftwerke in Frage.
Versorgunggebiete in der Büchnerstadt
Als Ergebnis der Untersuchungen wurden die folgend dargestellten Teilgebiete beschlossen.
Die Gebietsgrenzen wurden anhand der Bebauungsstruktur und der Wärmedichte, sowie nach dem Vorhandensein bestehender Netze, potentieller Wärmequellen und denkbarer Trassenverläufe gefasst. Die folgende Tabelle listet die Gebiete mit dem Ergebnis der Prüfung auf.
Für hell unterlegte Flächen wurde die verkürzte Planung beschlossen. Hier wird die Versorgung durch Wärmenetze nicht weiter untersucht.
Für dunkel hinterlegte Flächen wurde die reguläre Planung beschlossen. Diese Gebiete werden konkret auf die Eignung für Wärmenetze untersucht. Der wirtschaftliche Betrieb von Wärmenetzen erscheint auch in weiten Teilen dieser Gebiete unwahrscheinlich, konnte aber im Rahmen der Eignungsprüfung nicht ausgeschlossen werden.
Dezentrale Luft-Wasser- oder Luft-Luft-Wärmepumpen sind in Gebieten ohne Wärmenetze in der Regel künftig die hauptsächliche Wärmequelle. Solche Wärmepumpen können mit Hilfe eines Teils elektrischer Energie drei bis vier Teile Wärme nutzbar machen. Insbesondere in Verbindung mit PV-Anlagen ist diese Technologie eine nachhaltige und wirtschaftliche Möglichkeit der Wärmeversorgung.
Foto: Thiesing

Quelle Grafiken: Riedstadt


